Im Mittelpunkt standen die nächsten Schritte im Prozess „Kirche der Zukunft“, der die zukünftige Gestaltung von Seelsorge und Verwaltung in der Diözese in den Blick nimmt
von Ines Szuck
„Die Herausforderungen, vor denen wir als Kirche stehen, lassen sich nicht mit einzelnen Maßnahmen beantworten. Der Prozess „Kirche der Zukunft“ lebt deshalb vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven und von der Bereitschaft, Verantwortung gemeinsam zu tragen. Unser Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die auch künftig eine lebendige Seelsorge, eine verlässliche Verwaltung und die Nähe zu den Menschen vor Ort ermöglichen“, betont Bischof Dr. Klaus Krämer.
Die Sitzung war geprägt von Information, Austausch und gemeinsamer Beratung. Neben den Beratungen im Plenum boten Marktplatzgespräche den Diözesanrätinnen und -räten die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen der verschiedenen Projekte und Programme ins Gespräch zu kommen. An den Informationsständen zu den Themenfeldern „Seelsorge in neuen Strukturen“, „Verwaltung in neuen Strukturen“, Digitalisierung, Zentrales Prozessmanagement sowie weiteren Zukunftsprojekten konnten aktuelle Entwicklungen vorgestellt, Fragen intensiv diskutiert und Rückmeldungen aus den Dekanaten und Kirchengemeinden aufgenommen werden.
Ein Schwerpunkt der Beratungen war der aktuelle Stand des Prozesses zur Bildung neuer Kirchengemeinden. Ziel ist es, angesichts rückläufiger Katholikenzahlen, veränderter pastoraler Rahmenbedingungen und sinkender personeller Ressourcen tragfähige Strukturen für die Zukunft zu schaffen.
Nach intensiven Beratungen in den Dekanaten und einer fachlichen Prüfung der eingereichten Vorschläge könnten zwölf Konzepte direkt in das weitere Beratungsverfahren eingebracht werden. Für 13 weitere Vorschläge wurden Prüfaufträge formuliert, diese beziehen sich auf die Größe (Katholikenzahl) der künftigen Kirchengemeinden, die Berücksichtigung kommunaler Grenzen und Caritas-Regionen, sowie eine sinnvolle Verortung der Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache.
Betont wurde von Theresa Kucher und Barbara Strifler, Projektleitung des Projekts Umschreibung neue Kirchengemeinden im Programm SinS (Seelsorge in neuen Strukturen), dass mit den Prüfungsaufträgen den zu treffenden Voten der Kirchengemeinden nicht vorgegriffen, sondern eine Orientierung gegeben werden soll. Auch die für die Umschreibung vorgegebenen Kriterien bleiben weiterhin bestehen.
Bis zum 20. September sind die Kirchengemeinden aufgerufen, ihre Voten abzugeben. Anschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und in den zuständigen diözesanen Gremien weiter beraten.
Intensiv beschäftigte sich der Diözesanrat auch mit der Weiterentwicklung der Trägerstrukturen katholischer Kindertageseinrichtungen. Ziel ist es die Kitas als Segensorte in einer Kirche der Zukunft und in der Gesellschaft zu stärken. Hintergrund sind steigende Anforderungen an Verwaltung und Personalmanagement, der Fachkräftemangel sowie die Notwendigkeit, die Einrichtungen langfristig zukunftsfähig aufzustellen.
Die Bedeutung des Themas ist groß: in der Diözese gibt es rund 850 katholische Kindertageseinrichtungen mit etwa 2600 Kita-Gruppen. Dort werden rund 48000 Kinder betreut. Die Trägerschaft liegt derzeit bei Einzel- und Gesamtkirchengemeinden, Zweckverbänden sowie dem Stadtdekanat Stuttgart.
Katholische Kitas sind dabei nicht nur Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, sondern wichtige pastorale Orte, an denen Kinder und Familien Gemeinschaft, Wertevermittlung und Kirche erleben. Diese zu stärken und weiterzuentwickeln, sei der Diözese ein wichtiges Anliegen, betonte Markus Vogt, Referent für Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und Frühkindliche Bildung im Bischöflichen Ordinariat.
Um die Einrichtungen langfristig zu stärken, werden im Rahmen des Projekts verschiedene Träger-Modelle geprüft – von der Beibehaltung der Trägerschaft in den dann neuen Kirchengemeinden über Zusammenschlüsse auf regionaler Ebene bis hin zu neuen, zentraleren Organisationsformen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für weitere Entscheidungen zur künftigen Ausgestaltung der Kita-Trägerstrukturen dienen.
„Mit dem Projekt entwickeln wir Trägerstrukturen, die unsere katholischen Kindertageseinrichtungen nachhaltig stärken. Ziel ist es, die Kirchengemeinden zu entlasten, Verantwortung sinnvoll zu bündeln und die hohe pädagogische Qualität langfristig zu sichern. Gleichzeitig wollen wir die christlichen Werte, die unsere Kitas auszeichnen, bewahren und weitergeben – als Grundlage für Bildung, Gemeinschaft und Orientierung zur zukünftigen Ausgestaltung der Kita-Trägerstrukturen“, erklärt Antonius Bero, Leiter Abteilung Kirchengemeinden im Bischöflichen Ordinariat.
Mit Blick auf die inhaltliche Arbeit des neu gewählten Diözesanrats beschloss das Gremium zudem die Einrichtung von vier weiteren Ausschüssen. Künftig werden sich diese mit den Themen gesellschaftlicher Zusammenhalt, nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte, Solidarität und Frieden sowie Gleichberechtigung und Vielfalt befassen.
Mit der Neuordnung sollen zentrale Zukunftsfragen stärker gebündelt und strategisch bearbeitet werden. Gleichzeitig soll die Ausschussarbeit überschaubar und effizient gestaltet werden, um die ehrenamtlichen Mitglieder des Diözesanrats wirksam in die inhaltliche Arbeit einzubinden.
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die finanzielle Entwicklung der Diözese. Der Diözesanrat wurde über die aktuelle Entwicklung des Kirchensteueraufkommens im ersten Quartal 2026 informiert. Es zeigte sich, die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens bleibt herausfordernd.
Zum Abschluss der Sitzung verabschiedete der Diözesanrat die bisherige Geschäftsführerin des Diözesan- und Priesterrats, Gabriele Denner, und dankte ihr für ihre Arbeit und ihr Engagement.
Im Anschluss bestellte das Gremium Florian Strobel aus dem Dekanat Allgäu-Oberschwaben zu seinem neuen Geschäftsführer.
Bildtext: Die Mitglieder des 12. Diözesanrats bei den Marktplatzgesprächen während der Diözesanratssitzung im Kloster Schöntal
Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck

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