Diözesanrat entwickelt das bestehende Leitbild weiter
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat in der Frühjahrssitzung des Diözesanrats im Kloster Schöntal bei Heilbronn ihren diözesanen Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ gestartet. Angesichts großer Herausforderungen wie dem Mitgliederverlust, sinkender Kirchensteuereinnahmen und dem Rückgang des pastoralen Personals müsse geprüft werden, wie der Weg der Diözese in die Zukunft aussehen kann, sagte Bischof Dr. Klaus Krämer und unterstrich: „Wir müssen diese Situation ernst nehmen, die Herausforderungen annehmen und überlegen, wie wir unseren Auftrag weiter erfüllen können, den Menschen hilfreich zur Seite zu stehen und die frohe Botschaft zu verkünden.“
Zuvor hatte Generalvikar Dr. Clemens Stroppel der Versammlung nochmals die vorhersehbarenEntwicklungen anhand mehrerer Grafiken eindrücklich in Erinnerung gerufen. „Es werden immer weniger Kinder getauft und der Altersdurchschnitt der Katholikinnen und Katholiken in Württemberg steigt. Zugleich sinkt die Relevanz des Glaubens für das eigene Leben vor allem für die 15- bis 25-Jährigen“, zitierte der Generalvikar unter anderem Ergebnisse der Shell Jugendstudie.Veränderungen seien vor diesem Hintergrund unausweichlich, um sich motiviert und kraftvoll weiterentwickeln zu können, sagte Bischof Dr. Krämer. „Wir müssen das Bestehende kritisch unter die Lupe nehmen und uns fragen, was Neues hinzukommen muss, um Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu bekommen.“ Das gelte für alle Ebenen der Diözese, einschließlich der Dekanate und der 1020 Kirchengemeinden. Neben den pastoralen Strukturen,die größer und schlanker werden müssten, sollen auch die Verwaltungsstrukturen der Diözese in den kommenden drei Jahren auf den Prüfstand gestellt werden. Organisatorische Strukturen müssten verändert werden, um engeren finanziellen Grenzen sowie dem Rückgang des pastoralen Personals Rechnung zu tragen. „Das alles sind wichtige Bausteine des Entwicklungsprozesses, die wir kaskadenartig umsetzen.“ Angesichts der drängenden Probleme der Zeit sei es wichtig, diese Prozesse zügig anzugehen. Gleichzeitig betonte Bischof Dr. Krämer die Bedeutung von Gründlichkeit. „Es liegen wichtige Weichenstellungen vor uns und wir müssen sicher sein, dass sie für unsere Diözese richtig sind.“ Deshalb werde man in einem angemessenen Tempo verantwortungsvoll voranschreiten. In enger Beziehung zu der Neujustierung der pastoralen Strukturen steht das bereits im vergangenen Jahr angestoßene Projekt „Räume für eine Kirche der Zukunft“, dessen Ziel es ist, die beheizten nichtsakralen Gebäudeflächen der Kirchengemeinden um 30 Prozent zu reduzieren und parallel dazu neue auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Nutzungskonzepte und pastorale Schwerpunkte für die verbleibenden Gebäude zu suchen, sowie die Anfang des Jahres gestartete Digitalisierungsstrategie der Diözese.
„Ich habe keinen Masterplan in der Schublade, sondern möchte diesen in unseren diözesanen Gremien entwickeln“, sagte Bischof Dr. Krämer. Am Ende dieser Transformation werde die katholische Kirche in Württemberg eine neue Gestalt haben. „Daran mitzuwirken, ist bei aller Anstrengung eine große Chance“, sagte Dr. Krämer und betonte, dass keine Modelle aus anderen Diözesen übernommen oder kopiert werden sollten. „Wir kennen unsere Diözese am besten und deshalb bleibt das Heft des Handelns bei uns“, sagte der Bischof.
Dr. Krämer unterstrich in seiner Eröffnungsrede mehrfach, dass es das oberste Ziel alles Handelns sei, im pastoralen und diakonischen Handeln bei allem, was komme, nah bei den Menschen zu bleiben. Nicht zuletzt aus diesem Grund stand im Mittelpunkt der zweitägigen Sitzung im Kloster Schöntal die gemeinsame Arbeit an einem neuen Leitbild für die katholische Kirche in Württemberg. Im Austausch miteinander entwickelten die Rätinnen und Räte bei ihrer geistlichen Visionsarbeit 36 Sätze, von denen bis zur nächsten Sitzung des Gremiums Ende Juni drei zur Weiterentwicklung des bestehenden Leitbilds „Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist auf dem Weg zu einer diakonisch-missionarischen Kirche“ ausgesucht und verabschiedet werden sollen. „Auf diese Vision von Kirche werden alle unsere Entwicklungsprozesse ausgerichtet sein. Sie ist der Anker, der alle Teilprozesse miteinander verbindet“, betonte Bischof Dr. Krämer.
Der für die pastorale Konzeption in der Diözese zuständige Weihbischof Matthäus Karrer zog am Ende der zweitägigen Frühjahrssitzung des Diözesanrats eine positive Bilanz. „Es war ein hoffnungsvoller Auftakt mit der Bereitschaft, sich konstruktiv auf einen nicht leichten Prozess einzulassen“, sagte Karrer und kündigte an, dass der Diözesanrat in seiner Junisitzung nicht nur das neue Leitbild der Diözese verabschieden soll, sondern sich auch mit ersten Vorschlägen hinsichtlich der neuenpastoralen Struktur in der Diözese befassen werde.
Bischof Dr. Krämer schloss sich der positiven Bilanz von Weihbischof Karrer an und resümierte: „Wenn wir die Zukunftsprozesse beginnen, dann schöpfen wir positive Energie aus unserem Glauben.“ Das stimme ihn hoffnungsvoll. Es gehe darum, einander ernst zu nehmen, zuzuhören und dann zu klaren Entscheidungen zu gelangen. „Das ist unsere Grundhaltung und ich freue mich darauf, diesen Weg mit allen Gläubigen in unserer Diözese gemeinsam zu gehen“, sagte der Bischof.
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Bild: Ein geistlicher Visionsprozess soll die in der Diözese Rottenburg-Stuttgart anstehenden Veränderungen begleiten und unterstützen. Der Auftakt dazu fand bei der zweitägigen Sitzung des Diözesanrats am vergangenen Wochenende im Kloster Schöntal statt. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser