„Alles ist gut“ – Phrase oder ehrliche Antwort?
14. Februar 2026

„Alles ist gut“ – Phrase oder ehrliche Antwort?

Kennt ihr das, wenn man nach außen hin sagt: „Alles gut“; aber innerlich eigentlich gar nichts gut ist?

Ich kenne das ziemlich gut. Da ist jemand, der mich verletzt hat, und obwohl ich normal mit ihm*ihr rede, läuft im Kopf immer noch der gleiche Streit ab. Nach außen Frieden, innen Chaos.

Genau an dieser Stelle hat mich das heutige Evangelium erwischt. Jesus spricht davon, dass es nicht reicht, einfach nur keine Regeln zu brechen. Es geht ihm nicht nur darum, was wir nach außen hin tun, sondern darum, was innen in uns los ist. … und ehrlich gesagt, das ist manchmal unbequem. Denn es ist manchmal leichter, sich korrekt zu verhalten, als sich mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und inneren Kämpfen auseinanderzusetzen.

In der Bibel steht zum Beispiel: „Du sollst nicht töten.“ Klar denke ich mir, das mache ich ja eh nicht. Aber Jesus geht weiter. Er spricht über verletzende Gedanken und über das innere Abrechnen mit anderen. Und das kenne ich gut von mir selbst. Ich rede mir ein, dass die Schuld bei der anderen Person liegt. Und dann bin ich so mit diesen Gedanken beschäftigt, dass ich gar nicht mehr merke, wie mich dieser Ärger in meinem Leben selbst blockiert.

Jesus verlangt keine Perfektion von uns, aber er traut uns zu, dass wir ehrlich hinschauen, wie es in uns selbst aussieht, auch wenn es weh tut. Vielleicht ist dieses Evangelium heute eine Einladung an uns, genau hin zu schauen und zu merken, wo in uns noch was ungeklärt ist, oder warum uns gewisse Gedanken dauerhaft beschäftigen.
…und dann vielleicht einen kleinen, ersten Schritt zu wagen ein klärendes Gespräch zu suchen, sich bei der anderen Person zu entschuldigen, oder einfach die Entscheidung für sich selbst zu treffen, den Groll loszulassen und befreit davon weiter zu machen.
Klar, das ist kein leichtes Unterfangen. Aber genau das ist der Weg den Jesus uns zeigt. Nicht der einfache, aber der, der uns wahres Leben und inneren Frieden bringen kann. Echter Frieden entsteht nicht, wenn alles nur nach außen hin passt, sondern wenn innen etwas heilen darf.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen ruhigen und nachdenklichen Sonntag.

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Thorsten Wassermann

Dekanatsjugendreferent

Ich bin 51 Jahre alt und als Dekanatsjugendreferent seit 2011 im Katholischen Dekanat Schwäbisch Hall tätig.
Nach dem Abitur am technischen Gymnasium in Crailsheim und dem Abschluss als Sozialpädagoge in Heidenheim war ich mehrere Jahre in einer privaten Jugendhilfeeinrichtung für verhaltensauffällige Jugendliche tätig.

twassermann@bdkj-bja.drs.de