„Ich wünsche mir, dass wir einfach nur vom Glauben reden! Lassen wir das Positive zu; das Schöne!“ rief der bayrische Ministerpräsiden auf dem Würzburger Katholikentag den Podiums-Zuhörern zu.
Im Subtext seiner Ansprache konnte man heraushören: die Kirchen sollen nicht immer die Konfliktthemen, die Migration, das Soziale, das Klima auf den Tisch bringen. Das klingt für mich nach: „Haltet Euch aus der Politik raus.“ So denken Viele. Manche argumentieren noch: „Bringt Euren eigenen Laden in Ordnung, bevor Ihr Euch als moralische Instanz aufspielt.“ Sollen wir als Getaufte also wirklich nur noch vom Glauben reden, uns um die eigenen Probleme kümmern und raushalten?
Vom Glauben reden ist wichtig. Den Menschen den Blick für das Schöne zu öffnen, gehört ebenso zu unserem Auftrag. Auch dass wir intern stets sortieren, aufarbeiten und uns neu orientieren müssen, steht außer Frage. Unser Orientierungs-Punkt dabei ist Jesus. Tatsächlich hat er vom Glauben und vom Himmelreich gesprochen. Er hat auch innerhalb seiner Glaubensgemeinschaft Vieles in Frage gestellt. Aber wenn ich mir sein Reden und Handeln weiter anschaue, dann entdecke ich ganz eindeutig: er war immer auch politisch. Im Grunde setzte er sich ständig für das Wohl der Menschen ein – nicht nur im eignen Kreis! Um nichts anderes geht es doch in der Politik. „Politisch ist alles, was das Zusammenleben von Menschen betrifft und auf gemeinsame Regeln, Machtverhältnisse, Gerechtigkeit, Ressourcen oder gesellschaftliche Ordnung Einfluss nimmt oder diese gestaltet.“ (A. Weber)
Bischof Desmond Tutu sagte einmal: „Wenn du dich in Situationen der Ungerechtigkeit neutral verhältst, hast du dich auf die Seite des Unterdrückers gestellt.“ Wenn wir Christinnen und Christen also nicht für Gerechtigkeit einstehen, wirkt auch unsere Betroffenheit nicht echt, wenn genau das Gegenteil geschieht so wie kürzlich zum Beispiel beim CSD in Berlin. Unser Auftrag nach Innen und nach Außen heißt: Unrecht benennen, Ausgrenzung entgegentreten, Extremen widerstehen, Vielfalt leben und Menschwürde hochhalten – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Veranlagung oder Lebensweise. Das ist dann zwar nicht immer die Beschäftigung mit dem „Positiven und Schönen.“ Aber es ist unser Beitrag dazu, dass das Leben für alle Geschöpfe Gottes positiv und schön bleibt oder wird. Das ist nicht nur „vom Glauben reden“, sondern im Sinne Jesu: Glauben leben.
Religionspädagogik-Studium in Freiburg i.Br.
Kirche: leben – leiden – lieben. Quasi von Geburt an und seit 1994 auch hauptberuflich in Aldingen/Aixheim, Esslingen a.N., Schwäbisch Hall.
Zwischen ignatianisch geprägter Spiritualität, Ökumene und Kirchenkabarett (www.maulflaschen.de).
Und sonst? Familie, Garten, Musik, Theater, Natur … oder: ein Leben in Fülle!