Familie gehört zu den tiefsten Erfahrungen des Menschseins.
Am Sonntag nach Weihnachten feiert die Kirche das Fest der Heiligen Familie. Dieses Fest führt uns mitten hinein in unser eigenes Leben, denn wir alle sind – auf ganz unterschiedliche Weise – in Familien augewachsen. Familie gehört zu den tiefsten Erfahrungen des Menschseins.
Das klassische Familienbild aus Vater, Mutter und Kind entspricht heute oft nicht mehr der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Familien sehen heute sehr verschieden aus. Und doch bleibt eines unverändert: Das Ziel einer christlichen Ehe ist die Gründung und das Leben von Familie – als Raum der Beziehung, der Geborgenheit und des Wachsens. Egal, wie unsere Familie aussah oder aussieht: Unsere Kindheit und unsere familiären Erfahrungen begleiten uns ein Leben lang.
Über die Bedeutung der Familie wird in unserer Gesellschaft viel gestritten. Dabei wird manchmal vergessen, was Familie im Kern ausmacht: Familie besteht aus Beziehungen. Und das Wesen jeder tragenden Beziehung ist die Liebe.
Auch in der Heiligen Familie war nicht alles „heilig“ im Sinne von perfekt oder konfliktfrei. Maria und Josef lebten kein idyllisches Leben. Unsicherheit, Angst, Flucht, Sorgen um die Zukunft – all das gehörte zu ihrem Alltag. Heilig wurde ihre Familie nicht durch Fehlerlosigkeit, sondern dadurch, dass sie in ihren Beziehungen zueinander und zu Jesus immer wieder den Willen Gottes suchten und ihm vertrauten.
Gott soll auch in unseren Familien einen Platz haben. Die Heilige Familie ist darin ein Vorbild: Jesus wurde nicht in einer perfekten Welt geboren, sondern in eine ganz normale Familie hinein. Deshalb kennt er die Höhen und Tiefen unseres alltäglichen Familienlebens. Alles Schwere, was Maria und Josef erlebt haben, meisterten sie im Vertrauen auf Gott. Und dieser Gott hat sie geführt und nicht im Stich gelassen.
So wie Gott Maria und Josef in schweren Zeiten getragen hat, so wird er auch unsere Familien tragen – nicht nur an Weihnachten, sondern an allen Tagen des Jahres.
Gott will auch in unseren Familien einen Platz haben. Die Heilige Familie zeigt uns: Gott kommt nicht in perfekte Verhältnisse, sondern mitten hinein in das normale Leben. Er ist da in Freude und Dankbarkeit, aber auch in Streit, Müdigkeit und Sorge. Wer Gott einen Platz im Familienalltag gibt, entdeckt eine Kraftquelle, die trägt, wenn eigene Kräfte schwinden. Die Heilige Familie hat im Gebet um den Willen Gottes gesucht.
Möge es in unserer Zeit wieder mehr betende Familien geben, die zusammenhalten. Denn, wie Mutter Teresa sagte: „Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen.“
Bild: Krippe: Rudi Bannwarth / Foto: Wolfgang Cibura
In: Pfarrbriefservice.de