Die Frage nach der Arbeit
2. Mai 2026

Die Frage nach der Arbeit

Der erste Mai ist der Tag der Arbeit, aber auch der Gedenktag des Heiligen Josef, des Arbeiters.

Endlich wieder ein verlängertes Wochenende. Doch bringt mich dieser Feiertag am 1. Mai dieses Jahr ins Grübeln. Ich habe das Gefühl, dass der Tag der Arbeit momentan ein besonders heikles Thema aufgreift. Die Debatte um die Arbeitswelt ist in vollem Gange. Auch unser Bundeskanzler äußert sich regelmäßig dazu. „Wir müssen uns wieder mehr anstrengen!“ hat er gesagt. Die Reaktion darauf kam sofort mit der Frage: Sind wir Deutschen zu faul? Sicherlich ein Reizthema, zumal es dabei ja auch um Lebensgestaltung geht. Selbstverwirklichung durch Arbeit auf der einen, Work-Life-Balance und Angst vor Burnout auf der anderen Seite. Hier die Absicherung in der Arbeitslosigkeit, dort muss sich Arbeit aber wieder lohnen. Gleichzeitig scheint es mir, dass Menschen immer mehr in Stress geraten. Immer weniger Zeit bleibt, um zu verschnaufen, zwischen der Arbeit, dem Haushalt, den Kindern, der Care-Arbeit, dem Ehrenamt, dem Urlaub. Ja, der Tag der Arbeit hat Diskussionspotential.

Für mich als Katholik ist der 1. Mai nicht nur der Tag der Arbeit. Die katholische Kirche begeht am 1. Mai den Gedenktag des Heiligen Josef, des Arbeiters. Papst Pius XII führte diesen Gedenktag 1955 bewusst am internationalen Tag der Arbeit ein, weil er sich wünschte, dass „alle die Würde der menschlichen Arbeit anerkennen“. Und dafür sollte der Heilige Josef, der Ziehvater Jesu, der selbst als Zimmermann war, Vorbild sein. Doch was für Gedanken kann uns dieser Arbeiter für diesen Feiertag mitgeben? Zunächst vielleicht, dass Josef, nicht nur für sich gearbeitet hat. Er hat für seine Familie und somit auch für Gott gearbeitet. Er fragte nicht nach der Work-Life-Balance, als ob Arbeit und Leben zwei gegensätzliche Dinge wären. Arbeit gehörte für Josef zum Leben dazu. Und eben für dieses Leben wird er in der katholischen Kirche verehrt. Zudem war Josef ein religiöser Mensch. So glaubte er, dass der Mensch durch seine Arbeit Gottes Schöpfung mitgestalten darf. Der Mensch darf arbeiten, Gott lässt den Menschen mitgestalten. Das verleiht ihm eine unglaubliche Würde. Gleichzeitig befolgte Josef die religiösen Gebote, auch heiligte er den Sabbat. So kann man sagen, dass er bei aller Arbeit ein Vorbild dafür ist, sich Zeit zu nehmen, um sich zu erholen und Gott die Ehre zu geben. In diesem Sinne wünsche ich ihnen einen erholsamen Sonntag!

Foto: Sven Brückner

post.meta('autor').title

Sven Brückner

Pastoralreferent in Gaildorf, Hausen und Mainhardt

sven.brueckner@drs.de