Gottes Geduld ist Ausdruck seiner Liebe und Weisheit
18. Juli 2026

Gottes Geduld ist Ausdruck seiner Liebe und Weisheit

Wir leben in einer Welt, die oft nach schnellen Lösungen verlangt: Probleme sollen sofort verschwinden. Doch nicht jedes Problem kann sofort gelöst werden, ohne größeren Schaden anzurichten.

In einem am 25. Februar 2025 im American Journal of Case Reports veröffentlichten Fallbericht schildert ein Ärzteteam den Fall einer Frau mit einem großen Gebärmuttermyom. Wegen des hohen Risikos lebensgefährlicher Verletzungen und starker Blutungen war eine sofortige Operation nicht möglich. Stattdessen entschieden sich die Ärzte für eine schonendere Behandlung. Erst sechs Monate später, nachdem der gutartige Tumor deutlich geschrumpft war, konnte er sicher entfernt werden. Solche Fälle sind in der Medizin nicht selten. Ärzte verzichten manchmal bewusst auf eine (sofortige) Operation, weil sie mehr Schaden anrichten könnte als das Problem selbst.

Ein ähnlicher Gedanke begegnet uns im Evangelium dieses Sonntags (Mt 13, 24–30). Die Knechte entdecken Unkraut zwischen dem Weizen und wollen es sofort ausreißen. Aber der Gutsherr hält sie zurück: „Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.“ Er weiß, dass das Unkraut schadet. Aber der Schutz des Weizens steht im Mittelpunkt. Er riskiert lieber das Mitwachsen des Unkrauts, als den Weizen zu gefährden. Seine Geduld ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern Ausdruck seiner tiefen Liebe und Weisheit.

Wir leben in einer Welt, die oft nach schnellen Lösungen verlangt: Probleme sollen sofort verschwinden. Doch nicht jedes Problem kann sofort gelöst werden, ohne größeren Schaden anzurichten. Gott weiß, dass auch gut gemeinter Übereifer Wunden hinterlassen kann. Gute Absichten allein genügen nicht. Es braucht Geduld und Weisheit.

Natürlich darf das Böse nicht verharmlost oder Unrecht einfach hingenommen werden. Aber Jesus lädt uns ein, Gottes Blick zu lernen. Gott sieht Möglichkeiten, wo wir nur Grenzen sehen. Er sieht das Gute, das wachsen kann. Er schützt es und schenkt ihm die Zeit zum Reifen. Wer beginnt, mit Gottes Augen zu sehen, wird weniger vorschnell urteilen und mehr Vertrauen haben – in andere, in sich selbst und vor allem in Gott.

Möge Gott unseren Blick für das Gute schärfen. Amen.

Bild: Jim Wanderscheid
In: Pfarrbriefservice.de

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Anthony Umeobika

Pfarrvikar in Stimpfach

anthonyifeanyi.umeobika@drs.de