Karfreitag – dieser Tag unterscheidet sich für mich als Katholikin im Kirchenjahr ganz besonders von allen anderen.
Beim Betreten der Kirche merke ich: das Weihwasserbecken ist leer, der Tabernakel steht offen, kein ewiges Licht brennt.
Heute habe ich das Gefühl: Gott erwartet mich nicht. Darum setze ich mich ohne Kniebeuge in die Bank. Weder am Anfang noch am Ende des Gottesdienstes höre ich das „Im Namen des Vaters und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft“, deshalb bekreuzige ich mich nicht. Die Gebete beginnen nicht mit „Lasset uns beten“.
Heute ist Karfreitag, nichts ist wie immer.
Ich höre und erinnere mich an den Leidensweg von Jesus und seinen Tod.
Neid, Eifersucht, Machtgier, Verrat, Verleugnung, Spott, Lieblosigkeit, Hass, Leid und Tod gehören bis heute zum Leben – das musste Jesus aushalten, dem muss ich mich stellen.
Ich trage meine persönlichen Dunkelheiten vor das Kreuz Jesu. Ich darf sie Gott ans Herz legen.
Besonders denke ich an alle, deren Karfreitag endlos scheint: Menschen, die dem Terror in den Kriegsgebieten ausgesetzt sind, die unter Lieblosigkeit leiden, die mit Hass überschüttet werden, die ihre Heimat verlassen müssen, denen aus Neid kein gutes Leben zugestanden wird, die hilflos der Machtgier der Regierenden ausgesetzt sind, deren Leben wertlos zu sein scheint.
Ich frage mich: Wie konnten Menschen damals zu Jesus so grausam sein? Warum sind Menschen bis heute zu Menschen so grausam?
In meine Fragen hinein höre ich, dass Jesus sagt: „Vater, vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun!“ – Was für eine unendliche Liebe und menschliche Größe – denen zu vergeben, die so grausam zu ihm waren, die nicht davor zurückgeschreckt sind, sein Leben zu zerstören.
Auch am Karfreitag für mich ein unfassbares Geheimnis: Für Gott ist nichts unmöglich!
Behüte Sie Gott!
Erster Beruf: Floristin.
Dann: Studium von Theologie im Fernkurs und Religionspädagogik.
In der Aufbruchstimmung nach dem zweiten Vatikanischen Konzil voller Hoffnung auf wirkliche, auch Frauen betreffende, Reformen. Mittlerweile sehr ernüchtert, trotzdem noch in der katholischen Kirche.