Ich möchte mich gegen falsche Hirten stellen – ganz egal, ob weltlich oder kirchlich – und kein dummes Schaf sein, sondern eines wie Shaun: klug, überlegt, aber auch vorwitzig.
Mir gefallen die Abenteuer von Shaun, dem Schaf aus der wunderbar schrulligen Animationsserie. Früher schaute ich immer mit den Kindern die Kurzfilme bei der „Sendung mit der Maus“ an. Heute sind sie im Internet zu finden. Die Figuren sind aus Knetmasse gestaltet und werden Schritt für Schritt animiert. Es ist eine große Kunst, dass aus vielen Einzelbildern durch kleine Veränderungen Bewegungen entstehen.
Shaun lebt mit seiner Herde auf einem kleinen Bauernhof in England. Dort wohnen neben dem Bauern der Hütehund Bitzer, der mit Shaun befreundet ist. Bitzer geht gewissenhaft seiner Arbeit nach und sorgt für Ruhe und Ordnung auf dem Hof, was ihm aber nicht immer gelingt. Dann gibt es noch drei fiese Schweine, auf die die Schafe nicht gut zu sprechen sind, eine hinterlistige Katze und viele weitere Tiere.
Was die Serie so sympathisch macht, ist, dass die Schafe ihr Eigenleben entwickeln. Sie benehmen sich wie Menschen, allerdings nicht vor dem Bauern. Da sind sie normale Schafe. Shaun ist das pfiffigste Schaf. Er ist quirlig, aufgeweckt und hat ständig irgendwelche Ideen im Kopf: Shaun fährt mit dem Traktor, kann schweißen, ist handwerklich sehr begabt. Oft hilft er, gemeinsam mit Bitzer, dem tollpatschigen Bauern aus der Klemme, der das aber nie so richtig begreift. Alles ist dann mit einer guten Portion Humor gewürzt, und ich kann mich in Shaun, Bitzer oder dem Bauern wiederfinden.
Hirte und Herde ist ein vielverwendetes Bild im Glauben. König David war ein Hirte, Psalm 23 greift es auf und Jesus bezeichnet sich selbst als den guten Hirten. Die Schafe brauchen sich keine Sorgen zu machen, denn Jesus kümmert sich um die Herde und beschützt sie. Das Bild kann allerdings auch missbraucht werden. Nicht umsonst warnte Jesus vor den falschen Hirten, die nur auf den eigenen Profit aus sind, die Schafe vernachlässigen und in Kauf nehmen, dass die Tiere ums Leben kommen. Der Missbrauch hat gezeigt, dass sich in der Kirche hauptsächlich Männer als „gute Hirten“ inszenierten und dabei Kinder, Jugendliche und Erwachsene physisch und psychisch zerstört haben.
Ich möchte mich gegen falsche Hirten stellen – ganz egal, ob weltlich oder kirchlich – und kein dummes Schaf sein, sondern eines wie Shaun: klug, überlegt, aber auch vorwitzig. Er findet immer einen Weg, und mag die Situation noch so aussichtslos sein. Er lässt sich nicht hinters Licht führen, besitzt einen eigenen Kopf und sorgt auf dem Bauernhof für Gerechtigkeit. Shaun ist für mich ein Vorbild gegen menschliche Allmachtsphantasien und Anmaßungen, denn: „Der Herr ist mein Hirte“ (Psalm 23) – und sonst niemand!
Bild: Doris Schug
In: Pfarrbriefservice.de
Mein Schwerpunkt ist St. Markus. Mir ist es wichtig, Formen zu finden, den Glauben zeitgemäß zu verkünden. Das versuche ich im Gottesdienst, in der Predigt, in den Bildungsangeboten und beim Schreiben von Artikeln. Ich möchte die Menschen anregen, Gott in ihrem Leben zu entdecken. Ein wichtiger Punkt in meiner Arbeit ist die Feuerwehr- und Notfallseelsorge, wo ich auch als aktiver Feuerwehrmann Menschen in absoluten Grenzsituationen beistehen kann. Ich bin verheiratet, meine Frau ist ebenfalls Pastoralreferentin. Wir haben drei erwachsene Söhne.