Ich schreibe ständig „To-do-Listen“. Diese kleben am Kühlschrank, füllen den Schreibtisch oder werden im Handy abgespeichert. Sie sind ein tolles Werkzeug, um den Überblick zu behalten und nicht im Chaos zu versinken.
Deshalb sind sie für mich so hilfreich. Nur manchmal wird es zu viel. Dann ist die Liste so lang, dass ich nur noch die Aufgaben abarbeite und wenig Anderes um mich herum wahrnehme.
Vor ein paar Wochen war es wieder so weit. Doch dieses Mal habe ich mir statt einer „To-do-Liste“ eine „Da-war-was“-Liste aufgegeben. Da war was, über das ich mich heute gefreut habe. Ein Gespräch mit einer Freundin, das mir gut getan hat oder die Sonne, die mir ins Gesicht geschienen hat. Oder: Da war was, worauf ich stolz bin. Dass ich meinen PC wieder zum Laufen gebracht habe, eine langersehnte Beförderung erhalten habe oder einen sportlichen Wettkampf geschafft habe.
Da war was – das durften auch vor 2000 Jahren zwei Männer erfahren. Die beiden sind in einen kleinen Ort namens Emmaus unterwegs. Auf dem Weg herrscht keine gute Stimmung. Sie sind völlig am Ende, denn vor ein paar Tagen ist Jesus, ihr Herr, am Kreuz gestorben. Dabei hatten sie sich viel von ihm erhofft. Und als sie so trübselig unterwegs sind, bekommen sie Gesellschaft. Ein Fremder geht mit ihnen, der sie versteht. Die beiden Männer reden sich alles von der Seele. Sie erzählen ihm, wie enttäuscht und traurig sie sind. Und der Fremde hört zu und baut sie auf. Erst im Nachhinein, beim Brot brechen am Abend, verstehen sie, dass der Fremde Jesus war. Und dass sie das eigentlich schon unterwegs gespürt haben. Da war was. Sie sagen: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust als er mit uns geredet hat?“ (Lk 24,32)
Wenn ich so mitten im Tun stecke und meine Punkte erledige, dann kann es passieren, dass es mir wie den beiden Männern geht. Oft bin ich zu vertieft und merke gar nicht, was mein Herz gerade höherschlagen lässt. So ist die „Da-war-was“-Liste für mich ein guter Tagesabschluss geworden. Denn so gehen die schönen Momente nicht einfach verloren. Ich erlebe bewusst, wie viel Gutes in meinem Alltag passiert. Für mich kleine Zeichen, durch die ich spüre, dass Gott jeden Tag mit dabei ist.
Bild: Pixaby viarami-todo-lists-5238324
Pastoralassistentin
Kath. Kirchengemeinde St. Markus
Schwäbisch Hall