Wir sind der Ton, du bist der Töpfer
November 27, 2020

Wir sind der Ton, du bist der Töpfer

Das Bild von Gott dem Töpfer, wir dem Ton in seinen Händen – das ist ein starkes. Es kann uns helfen, uns selbst anzunehmen – mit allem was wir sind und haben, was wir können und was wir lernen, was wir wünschen und was wir erhoffen.

Lesung am 1. Advent Lesejahr B

Jesaja im Kapitel 63:  Du, HERR, bist unser Vater, Unser Erlöser von jeher ist dein Name. Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, sodass wir dich nicht fürchten? Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbbesitz sind!
19bHättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen, sodass die Berge vor dir erzitterten.  Seit Urzeiten hat man nicht vernommen, hat man nicht gehört; kein Auge hat je einen Gott außer dir gesehen, der an dem handelt, der auf ihn harrt. Du kamst dem entgegen, der freudig Gerechtigkeit übt, denen, die auf deinen Wegen an dich denken. Siehe, du warst zornig und wir sündigten; bleiben wir künftig auf ihnen, werden wir gerettet werden.
Wie ein Unreiner sind wir alle geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir. Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und hast uns zergehen lassen in der Gewalt unserer Schuld.
Doch nun, HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.

Der Prophet Jesaja begleitet uns durch den Advent – Und vor die letzten Kapiteln des Prophetenbuches schenken uns  Visionen, Hoffnungsbilder und Zusagen. Das Volk Israel damals und wir heute können daraus eine Haltung lernen, die uns aktiv auf das Kommende blicken lässt, auch wenn wir es nicht genau planen und vorhersagen können. Genau das ist Advent.

Der Abschnitt, der heute unser Lesungstext ist beginnt mit der Vergewisserung: Du Herr, bist unser Vater  – und endet mit derselben.  Doch nun, HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.
Alles was dazwischen steht geschieht in dieser Beziehung zu Gott, dem Vater.

Auch wenn uns Ton und Töpferscheibe nicht mehr im Alltag begleiten, kann es uns doch nahe kommen.  Vielleicht haben manche noch Erinnerungen, dass es im Kunstunterricht in der Schule auch mal ein Projekt / eine Aufgabe gab, etwas aus Ton zu formen. Vielleicht gibt es auch die Erinnerung, wie schwer das war, die Form, die man sich im Kopf vorstellte in das Material zu bringen.

Das Bild von Gott dem Töpfer, wir dem Ton in seinen Händen – das ist ein starkes.

Das anerkennt unsere Geschöpflichkeit. Das kann uns helfen, uns selbst anzunehmen – mit allem was wir sind und haben, was wir können und was wir lernen, was wir wünschen und was wir erhoffen. Und wer je Ton in der Hand hatte, weiss, dass das Formen und Gestalt geben nur mit viel Achtsamkeit, Behutsamkeit, Geduld, mit dem genauen Anteil an Wasser, der richtigen Temperatur, mit viel Konzentration und Liebe verbunden ist. Jeder Ton ist anders. Jeder Tag ist anders. Welch Mühe, Konzentration, Geduld, Behutsamkeit, Achtsamkeit und Liebe hat Gott wohl in mich „gesteckt“, um mir das mitzugeben, was allein mein Leben ausmacht und zum Strahlen bringen kann.

Die Gemeinschaft von Taizé, die zur Zeit auf das verzichten muss, was sie als eine ihrer Grundaufgaben sich gestellt hat – Menschen in Gastfreundschaft aufzunehmen und die Frohe Botschaft mit ihnen zu teilen. Diese Gemeinschaft hat sich als Broterwerb die Töpferei gewählt. Die Tonprodukte werden verkauft. Der Erlös dient dem Lebensunterhalt der Gemeinschaft.

Die Töpfer dort kennen sicher den Jesajatext – und es ist ein Beten, ein Mitarbeiten an der Schöpfung, wenn sie selbst töpfern, wenn sie formen und wenn sie auch das Werk, das dabei entsteht in die Beziehung zu Gott hineinstellen.
Und weil in guter mönchischer Tradition Beten und Arbeiten ineinanderfliessen, gibt es ein Gebet, das dies ins Wort bringt.

Herr,
mache mich zu einer Schale
offen zum Nehmen
offen zum Geben
offen zum Geschenkt Werden

Herr,
mache mich zu einer Schale für dich,
aus der du etwas nimmst,
in die du etwas hineinlegen kannst.

Wirst du bei mir etwas finden
was du nehmen könntest?
Bin ich wertvoll genug,
so dass du in mich etwas hineinlegen wirst?

Herr,
mache mich zu einer Schale für meine Mitmenschen
offen für die Liebe, für das Schöne,
das sie verschenken wollen,
offen für ihre Sorgen und Nöte
offen für ihre traurigen Augen
und ängstlichen Blicke,
die von mir etwas fordern.

Herr
mache mich zu einer Schale.

So beten die Töpfer in Taizé, heisst es.

Dieser Advent könnte anders werden als die Vorherigen.
Aber  jeder Advent möchte anders sein, als die Vorherigen.
Advent will immer NEU anfangen, all das zu gestalten, all das zu erwarten, was in unserem Horizont liegt.
Finden Sie Ihren Advent Finden Sie Ihren Advent NEU – in den Bedingungen, die wir dieses Jahr haben – und geben Sie acht auf sich und ihre Mitmenschen.

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Utta Hahn

Dekanatsreferentin

Studium der Religionspädagogik und Pädagogik in Freiburg und Reutlingen.

Einfach leben – egal wo die Betonung liegt – das ist Wunsch und Ziel, damit wir weltweit und hier, in Zukunft und jetzt ein Gutes Miteinander finden in Gesellschaft und auch in unserer Kirche. Lebenzeit ist Arbeit, Familie, im Garten werkeln, im Wald dem Wind und den Vögeln lauschen, wandern, Musik machen und lesen.

Utta.Hahn@drs.de