Der Tretmühle entkommen und Himmelfahrt!
12. Mai 2026

Der Tretmühle entkommen und Himmelfahrt!

Jesus in der Kelter - und als Weltenherrscher - es gibt einen, der das Leben kennt und doch über allem steht und uns den Blick offenhält

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer den Chorraum der Ägidiuskirche auf der Kleincomburg in Schwäbisch Hall betritt, der wird wohl kaum ahnen, dass über ihm die kunsthistorisch früheste Darstellung des Motivs Christus in der Kelter aus dem Jahr 1120 schwebt.

Über 900 Jahre sind also vergangen, seitdem ein unbekannter Maler aus der Romanik dieses Bildmotiv ins Deckengewölbe dieser Kirche eingeschrieben hat.

Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1887 wurde dieses Deckengemälde in seiner ursprünglichen Farbgebung zerstört, nicht aber die Botschaft, die dem mittelalterlichen Menschen ein ganzes Bildprogramm zum Überleben an die Hand gab.

Der Tretmühle entkommen und Himmelfahrt – das ist das Bildprogramm des Deckengemäldes und auch die Botschaft für unsere Tage.

Christus in der Kelter – ist ein Sinnbild für die Not, das Leid und Elend dieser Welt – verursacht durch Krieg, Gewalt und Terror skrupelloser Despoten.

Das Bild zeigt letztendlich die Realitäten unserer Welt, derer wir inzwischen leid sind.

Es wäre eine trostlose Darstellung, wenn der Maler nicht auch das Kreuz und den Auferstandenen in zwei nachfolgenden Szenen ins Bild gesetzt hätte.

Not, Leid und Elend dieser Welt sind – im Bild des Gekreuzigten gesprochen – gestorben und vernichtet und zugleich hineingenommen in das neue Leben, das uns im auferstandenen Christus zugesagt ist.

Am Ende unseres Bildprogrammes sieht der Betrachter den Pantokrator in der Apsis – also den auferstandenen und erhöhten Christus als den Weltenherrscher, der allem Irdischen und damit auch den Tretmühlen unserer Welt entrückt ist in den Himmel.

Was der romanische Maler damals ins Bild gesetzt hat, ist ein grandioser Protest, der den Machthabern und Despoten dieser Welt offensichtlich ihre Geltung, ihre Macht und ihren Einfluss abspricht – damals wie heute.

Es gibt da einen, der über jenen steht und der in aller Vergänglichkeit bleiben wird was er ist: Der Herr der Welt, der auch jene überdauern wird, die momentan die Menschheit drangsalieren.

Dieses Bildprogramm eröffnet mir am Fest Christi Himmelfahrt den Blick in eine andere Welt, der mich hoffnungsfroh stimmt und motiviert an genau jener mitzubauen.

Vielleicht denken auch Sie daran, wenn Sie einen Gottesdienst besuchen oder einen Vatertagsausflug unternehmen, in der Natur unterwegs sind oder gerade mit unserer Zeit hadern.

Es gibt da einen der über allem steht, der Bestand hat und uns den Blick in den Himmel offen hält.

Foto: Thomas Hertlein, privat

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Dekan Thomas Hertlein

Leitender Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Schwäbisch Hall, Dekan

 

Thomas.Hertlein@drs.de