"Windhauch, Windhauch", sagte Kohelet.
Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. – Denn es kommt vor, dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommmt. Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt? Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. – Auch das ist Windhauch.“ (Koh 1,2,2,21-23, Tageslesung für 2. Juli 2025)
Endlich Ferien! „Es strebt der Mensch, solange er lebt“, sagt uns der alte Goethe. In den Sommerferien dürfen wir den Goethe auch mal links liegen lassen und das tun, wofür sonst keine Zeit bleibt, für nichts wichtiges, aber der Seele unsagbar guttut und darum endlich dran ist.
Von klein auf haben wir gelernt, nach oben zu streben: Im Sport immer gewinnen, in der Schule möglichst gute Noten, in der Ausbildung den besten Abschluss machen, im Beruf Karriere machen – bis zum Chefsessel, im Freundeskreis das neueste Auto präsentieren. Immer und überall erfolgreich sein, denn Erfolg macht sexy! Nach oben zu streben könnte aber auch heißen: Nach Frieden streben, wo andere zum Krieg blasen, Vergebung suchen, wo andere das letzte Wort behalten wolllen, um Entschuldigung bitten, wo sonst das Faustrecht regiert, anderen etwas gönnen, was sie sind und haben!
Mit Jesus nach oben streben, könnte sogar heißen: Sammelt euch Schätze im Himmel. Der Größte unter euch sei der Diener aller. Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen. Was ihr meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Vater unser, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. „Windhauch, Windhauch – und wonach strebe ich?“
Bild: Peter Weidemann
In: Pfarrbriefservice.de